1. Enter Einheit oder 81 Min. gegen Gemeinheit

    Am Sonntag in Leipzig: Gesamtkunstwerk, ab 20 Uhr in der Skala:

    Mit bunten Bildern, Video- und Audioschnippseln, Textauszügen, Youtube und Chatroulette..

    Mal sehen wo dieser Abend hinführt.. eine Performance mit dem Thema Deutschland..

    Gesamtkunstwerk:

    gesamtkunstwerk versteht sich als Open-Stage-Format. Zweimal im Monat ist die Skala für alle von morgens an geöffnet, um am Abend eigene Standpunkte zu präsentieren. Interdisziplinarität und Cross-over-Projekte sind ausdrücklich gewünscht! Thematische Vorgaben werden nicht gemacht.

    Dieses Mal mit:

    Mirko Borscht, Johannes Kirsten, Alex Kluth, Hannes Hesse

  2. Deutschland tanzt nicht

    An Dieser Stelle ein erster Eindruck von der Premiere von Deutschland tanzt nicht – Skala Leipzig:

    Die, die tanzen, werden nur von denen nicht verstanden, die die Musik nicht hören! Wenn Deutschland nicht mehr tanzt, wo läuft dann die Musik? Ist das Nichttanzen eine Tugend, eine Errungenschaft oder etwas, das es zu überwinden gilt? Heute versucht Deutschland wieder, auf verschiedensten Hochzeiten zu tanzen. Wollen wir tanzen? Und wenn ja, welchen Tanz? [...]

    Johannes Kirsten

    [...] Machen wir der Vergangenheit den Prozess. Uns. Deutschland.“ Um nichts Geringeres geht es, als dem Wesen unseres Landes nahezukommen; den Geist eines Landes zu greifen, das auf eine zerklüftete Geschichte blickt und doch als Land der Dichter und Denker gilt. Oder doch nicht mehr? Gedanke wird Schrift und Schrift wieder Sprache – und alles wird Theater: ein weißer Raum, drei Frauen in Weiß, eine Eiche, der Baum der Bäume. Ein Raum, der beschreibbar wird, füllbar mit Fragmenten, Parolen und Texten zwischen Minderwert und Größenwahn, Dichter, Denker, Degeneration, alle gegen alle, deutsch gegen deutsch.

    Johannes Kirsten

    Eine auf jeden Fall andere Inszenierung von Regisseur Mirko Borscht, salopp gesagt: so ganz ohne Filmblut und irgendwie eine Komödie..

    Nähe zur Bühne und Bierfeststimmung, dass waren wohl meine ersten Eindrücke, nachdem ich den Saal der Skala betreten habe und natürlich der riesige Eichenstumpf – eine ausgetrocknete abgestorbene deutsche Eiche (Bühne: Christian Beck). Man positioniert sich an Stehtischen und wartet auf den Kellner, der das ganze Stück über das Publikum mit frisch gezapftem Bier versorgt, mit anderen Worten man wird direkt ins Klischee gedrängt – ein damit verbundenes Unwohlsein oder Wohlsein muss da jeder mit sich selbst ausmachen..

    Nach ca. 10 Minuten Einlassstimmung geht der komplette Raum in einem Nebelmeer unter. Wie Suchscheinwerfer laufen die Videoinstallationen durch die Nebelwand und zeigen Worte, wie Lufthansa, Krupp, etc. – kurz: das Thema Deutsch in Schlagworten – (Video: Kai Schadeberg) wobei mir die Typografie nicht ganz zugesagt hat..

    Drei buckelige, glatzköpfige, deutsche Frauen steigen die Eiche herab (Kostüme: Elke von Sivers).

    Deutschland tanzt nicht – Ein Museum auf die Bühne gebracht, so mein Eindruck. Man erlebt eine Geschichte in Episoden, in Duellen – die verschiedenen Episoden der deutschen “Vergangenheitsbewältigung” in einem Spiel. Die drei Frauen (Emma Rönnebeck, Melanie Schmidli, Birgit Unterweger) – die Austellungspuppen – Trümmerfrauen – in diesem Museum lebendig geworden. Schauspielerisch an dieser Stelle ein Lob an alle drei, mich haben sie überzeugt auch wenn der starke Improvisationscharakter des Stücks, teilweise die Rollenverteilung bzw. die Rollenverbindung verschleiert. Duelle, wie im Stücktext angekündigt konnte ich nicht in dem Ausmaß erkennen, wie ich sie mir versprochen hatte. Dies merkt auch Patrick Limbach von der Leipziger Internetzeitung an:

    Die schauspielerische Leistung von Emma Rönnebeck, Melanie Schmidli und Birgit Unterweger steht außer Frage. Alle drei erhielten verdienterweise viel Schlussapplaus. Doch der im Programmflyer angekündigte Schlabtausch, deutsch gegen deutsch, blieb den Zuschauern leider erspart.

    Alles in allem ist es ein empfehlenswertes Stück auch wenn ich mich mit dem Thema Deutschland und Identität immer recht schwer tue.. die Klischeebtrachtungen haben spannenden und diskussionswürdigen Inhalt, den ich mir auf jeden Fall noch mal durch den Kopf gehen lasse. Ein weiterer Punkt den  ich für mich noch klären muss ist die Stelleung der Frau in diesem Stück – spätestens, wenn ich das Stück noch mal gesehen habe und deswegen hier auch der Verweis auf die nächsten Vorstellungen in der Skala Leipzig: 29.09.2010 // 09.10.2010 // 24.10.2010

  3. Felix Kubin

    Um es mal so zu sagen: der Felix Kubin ist ja echt mal ‘ne coole Sau! Sieht aus, wie sich in der Vergangenheit die Mode der Zukunft vorgestellt wurde und macht schönen abgedrehten Kram.. Kommt dann noch Mariola Brillowska dazu, sind spannende Ergebnisse eigentlich vorprogrammiert.. Aber nun genug Lobhudelei ..

    Hier erstmal ein wenig Musik:

    Felix kubin – razzia… by monsieurK

    Wer ist dieser Felix Kubin eigentlich? Einen recht guten Überblick gibt diese Kurzreportage von ARTE-TRACKS:

    und Mariola Brillowska?

    und noch nen hübsches Ding von beiden zusammen:

  4. SHORTMOVES Kurzfilmfestival

    Shortmoves geht wieder los, das Internationale Kurzfilmfestival läßt wieder die LUX-Leinwände bespielen. Im PUSCHKINO startet das Programm am 17.09.2010 19 Uhr, im LUX Kino am Zoo 20 Uhr:

    Kurzweilig. International. Leidenschaftlich. SHORTMOVES, das erste und einzige internationale Kurzfilmfestival in Sachsen-Anhalt, gibt es bereits 10 Jahre. Zum Jubiläum laden wir am 17. und 18. September 2010 Kinoenthusiasten und Kurzfilmmacher aus aller Welt nach Halle ein. Viele Kurzfilme warten, viele “15 Minutes Of Fame”.

    Update (17.09.2010):

    Heute gehts los und morgen ist es immer noch schön! Denn morgen gibt es z.B. noch ein interessante Podiumsdiskussion. Ab 17 Uhr werden im LUX Kino am Zoo Branchenkenner und Kurzfilmexperten sowie das interessierte Publikum zusammenkommen.:

    Wir wollen nicht nur Filme anschauen, sondern auch über sie reden.

    Obwohl die Zahl der produzierten Kurzfilme jährlich steigt, nimmt die Öffentlichkeit nur wenig Notiz von ihnen. Höchstens Werbefilme erreichen ein Millionenpublikum. Produktionen ohne kommerzielles Interesse hingegen sind nur selten in den Medien.

    Ins Rampenlicht gerät das Medium nur auf Festivals, die sich den kurzen Werken verschrieben haben. Dort zeigt sich, welches Begeisterungspotential in Kurzfilmen steckt und mit wie viel Leidenschaft die Filme produziert wurden.

    Vor diesem Hintergrund steht die zukunftsweisende Frage, ob es der Kurzfilm ins öffentliche Bewusstsein schafft oder ihm nur das Nischenpublikum von Kurzfilmfestivals bleibt. Wir freuen uns auf die Diskussion des Themas mit Experten und Publikum.

  5. Werkleitz – Angst hat große Augen

    Bald ist es wieder so weit und das jährliche Werkleitz-Festival startet in eine neue Runde, diesmal unter dem Thema: “ANGST HAT GROSSE AUGEN”. Vom 12. – 17. Oktober gibt es dann wieder einiges zu entdecken. Genaueres erfährt man auch in der Pressemitteilung:

    Das 20. Jahrhundert gilt als das „Jahrhundert der Angst“. Die scheinbar ununterbrochene Abfolge von radikalen Umbrüchen und Katastrophen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts machten der Menschheit ihr autodestruktives Potential deutlich. So blieb in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts das Gefühl einer beständigen Bedrohung zurück: Kriegsangst, Angst vor ökonomischen Krisen, Angst vor Umweltzerstörung, Angst vor neuen Technologien, Angst vor Terrorismus, Angst vor grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen. Auch das 21. Jahrhundert begann mit einer Abfolge von kollektiven Angstszenarien: Vom Millennium Bug (dem angeblichen Zusammenbruch der Computersysteme) über den 11. September, Klimawandel, demographischen Wandel („Die Deutschen sterben aus“) über die Vogelgrippe bis hin zur aktuellen Finanzkrise. Angst scheint ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens zu sein. Für den Einzelnen ist dabei nur sehr partiell durchschaubar, wie groß die angekündigten Bedrohungen tatsächlich sind. Die Massenmedien, deren Aufgabe es wäre, solche komplexen Prozesse allgemeinverständlich zu vermitteln, leben hingegen wesentlich von der Darstellung des Negativen und neigen aus diesem Grund dazu, Problemszenarien möglichst drastisch darzustellen.
    Angst ist ein Grundgefühl, das eigentlich eine konkrete Reaktion verlangt: Flucht oder Aggression, Problemvermeidung oder Problemlösung. Doch den globalen Problemen kann das Individuum weder auf die eine noch die andere Art konkret beikommen. Soziale Angst lässt sich individuell nicht auflösen. Wie also gehen die Menschen heute mit der Angst um? Wie sehen ihre Reaktionen aus? Mit diesen Fragen wird sich das Festival Angst hat große Augen auseinandersetzen. Untersucht werden soll sowohl, was das Gefühl der Angst erzeugt, als auch wie Menschen auf Angst reagieren: Von konkreten Lösungsversuchen über abstrakte Ideen- (und Ideologie-) Bildung bis hin zu kollektiven und individuellen Ersatzhandlungen. Dabei werden lähmende Angstreaktionen ebenso untersucht wie deren kreative Überwindung.
    Das Festival wird sich auf zwei künstlerische Gattungen konzentrieren: Kunst im öffentlichen Raum und Filmprogramme, ergänzt durch Vorträge, Panels und Publikationen.

    und hier noch der Hinweis auf das Programm und das Begleitprogramm auf Radio Corax