1. Der MLU Sportplatz

    Der MLU Sportplatz

    Tennis find ich eigentlich öde. Außer wenn Mädchens gespielt haben. Kurze Röckchen und kraftvolle Rumstöhnerei war für einen Dahinpupertierenden ohne Internetanschluss sexuelle Oberliga. Seit meiner ersten Freundin hab ich mir nie wieder ein Tennisspiel angesehen.

    Bis heute. Und plötzlich, ich laufe über die Würfelwiese und suche einen Zugang zur Schleuse, da hör ich dieses typische Ploppen. Plopp Plopp. Auf dem Universitätssportplatz der Martin-Luther Uni gibt es zehn Tennisplätze. Zwei sind belegt. Ich stehe genau dazwischen. Es wird trainiert. Ein Rentnerpärchen und ein paar Jugendliche versuchen sich Tennis beizubringen. Während die Jungen auf die Bälle nur so eindonnern, schwingen die Alten gemütlich den Schläger. Wie ich den beiden Gruppen zuhöre, fällt mir auf das keiner stöhnt.

    Ich glaube die Profispieler machen das extra, um Zuschauer anzulocken. Sex sells. Warum sollte man sich sonst freiwillig ein Tennisspiel ansehen?

  2. Obststand

    Obststand

    Der Marktplatz ist ein weites Feld. Auf 16000 m² hatte ich viel Fläche zum rumstehen. 48.000 Natursteinplatten aus dunklem chinesischen Gabbro in verschiedenen Formaten schrien mir zu „Stell Dich auf mich, ich bin ein guter Platz zum Aufnehmen!“

    Von der Randzone riefen 480 000 Pflastersteine aus Diorit: „Komm zu uns! Wir sind auf die gleich Art geflastert wie das Umfeld der Marienkirche!“. 820 Meter Schlitzrinnen aus Edelstahl mit breiter Stahlkante wollten, dass ich auf ihrem Strich gehe. 67 Pflanzkübel, 55 Fahrradbügel als Abstellmöglichkeit für 110 Fahrräder, 20 Abfallbehälter und 14 Hocker- und 8 Lehnenbänke gierten danach, als Sitzmöglichkeit zu dienen. Es war verlockend, da sie auf eine dem Vandalismus vorbeugende und robuste Machart hergestellt wurden. Man sah ihnen die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit geradezu an. Das alles auch noch auf qualitativ und ästhätisch hohem Niveau.

    Seit dem Umbau von 2004 ist der Marktplatz schrecklich devot geworden. Jegliches Ding versucht mir mitzuteilen „Benutz mich, ich bin unerhört intakt und außerordentlich sauber.“ Die Gestaltung des öffentlichen Raumes geht äußerst langsam voran. Das liegt angeblich an den beiden Kameras, welche an Ratshof und Marienkirche hängen. Sie sollen gegen Vandalen, Diebe, Schläger und vielleicht sogar gegen Terroristen schützen. Man kann sie natürlich auch hervoragend dazu nutzen, um zu gucken, ob nicht drei Punks auf einer der niegelnagelneuen Bänke sitzen und Bier trinken. Oder jemand mit zerlumten Kleidungsstücken nach Kleingeld fragt. Sowas würde doch das wunderschöne Bild des Marktes zerstören.

    Für mich jedoch repräsentiert nicht eine Sitzbank oder ein Pflanzkübel die Stadt sondern die hallische Schnauze, besonders gut nachzuverfolgen an den Verkaufsständen für Obst und Gemüse.

  3. Joliot-Curie Platz

    Joliot-Curie Platz

    Der Jolio-Curie Platz umfasst eine Fläche von ungefähr 6000 Quadratmetern, wobei ein Teil Grünfläche mit Wiese und Blumenbeet ist und ein Teil als Springbrunnenanlage dient.

    Blick auf die OperNormalerweise muss er als typisches Touristenmotiv herhalten, wegen den ganzen Blumen, dem Springbrunnen, der Post, dem Opernhaus und den verwurschtelten Männern, die auf den Bänken hocken und Bier trinken. Die Bänke sind gut besucht. Nur sehe ich relativ selten einen Menschen auf der Wiese liegen. Höchstens mal einen Studenten, der auf dem Weg vom Campusplatz zum Geldautomaten hängengeblieben ist. Schade eigentlich.

    Die Wiese ist um ein Blumenbeet drumrum auf dem geschätz’ 10.000 Pflanzen stehen. Daran schließt sich ein 260 m³ großes Wasserbecken mit einer Springbrunnenanlage. Diese beherbergt eine Hauptdüse (welche acht Meter hoch spritzt) einen großen und vier kleine Wasserberge und zwei Springbrunnenfächer. Alles wird versorgt von einer Monoblockpumpe mit einer Leistung von 120 m³/h. Unter Wasser befinden sich sechsundzwanzig Scheinwerfer.

    Angefangen hat alles klein und schäbig mit einem viermeterfünzig tiefen Feuerlöschteich, der von Kriegsgefangenen im zweiten Weltkrieg ausgehoben wurde. 1964 hat man aufgrund von Wohnfeldverbesserungen eine Brunnenanlage in den Teich integriert. Eine Erneuerung von Grund auf fand 1997 statt. Der Brunnen ist jetzt 45 cm tief und die Technik gegen Frost gesichert (Apropos Frost, man darf im Winter drauf Schlittschuhlaufen). So weit so gut. Alles was man davon hört ist ein monotones Rauschen im Hintergrund. Ich Liege nämlich direkt zwischen Blumenbeet und Springbrunnen mit Gesicht richtung Post. Das interessante ist jetzt der Verkehr. Um den Jolio-Curie Platz führen zwei zweispurige Einbahnstraßen. Wobei die Autos links von mir zum Opernhaus fahren und rechts von mir zur Post. Sehe ich mir das von oben an, befinde ich mich in einem Autostrudel, welcher gegen den Uhrzeigersinn fließt. Einfach vorstellen man ist im Auge einer Wasserspirale, welche von Kraftfahrzeugen angetrieben wird. Das im Hintergrund noch Kinder schreien und eine Stimme atemlos gegen die Strömung schwimmt macht die Sache fast authentisch.

    Ach ja: Joliot-Curie ist der gemeinsame Nachname von einem Ehepaar, dass 1935 den Chemienobelpreis für die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität erhalten hat, wobei der der Mann Frédéric Joliot und die Dame Irène Curie hieß.

  4. Franckeplatz

    Franckeplatz

    Es gab mal eine Plakatwerbung am Frankeplatz, auf der man XXO spielen konnte. Ich war (glaub ich) der Einzige, der ein Kreuz gesetzt hat. Mit Kuli. Das war eine Arbeit, bis man das Kreuz einigermaßen gesehen hat. Doch keiner hat mitgespielt, außer ein Idiot, der ein Hakenkreuz daneben setzte. Das war für mich schon endtäuschend. Aber so ist das häufig in Halle. Wird eine Alternative zum städtischen Schwachsin angeboten, so wird der städtische Schachsinn in die Alternative gepresst.

    Die Idee war gut, doch Halle noch nicht bereit.

    Die Plakate waren an den Brückenpfeilern der vierspurigen Hochstraße angebracht. Gebaut wurde sie 1968 -1971. Mit einer Länge von 700 Metern verbindet sie Glauchaer Platz, Moritzzwinger, Franckeplatz und Waisenhausring. Die lichte Höhe beträgt 7,5 m. Die Hochstraße soll eine der wichtigsten Verkehrstraßen in Halle sein. An die 40.000 Kraftfahrzeuge rattern täglich darüber weg.

    Jedenfalls an Tagen des Jahres 2006. Müssten sich diese im Stadtverkehr aufteilen, an Ampeln halten, einordnen, hoch und runterschalten, dann würden täglich 100 000 Liter Sprit mehr verbraucht. Das ist auch der Grund, warum sie noch steht. Sie wird seit Jahren als „Straßenbildzerstörer“ und „häßliches Ungetüm“ bezeichnet.

    Als ich noch mit meiner alleralleraller…allerersten Freundin zusammen war, saßen wir bei irgendeiner Veranstaltung in den Franckischen Stiftungen und hörten einer Vorlesung zu. Also meine Freundin hörte zu, ich döste und zählte alle roten Autos, die auf der Hochstraße vorbeifuhren. Ich war grad bei 267 oder so, da war er fertig, ein paar Leute klatschten, ich wollte aus Höflichkeit mitklatschen, da hielt mir meine Freundin die Hände fest und zischelte: “Spinnst du! Der will, dass die Hochstraße wegkommt! Das würde ein Verkehrschaos geben!“

    Früher hab ich mir gedacht, dass sich deshalb ein paar Leute dazu genötigt fühlen würden vor der Stadt zu parken um mit der Straßenbahn in die Stadt zu fahren. Sie würden eventuell herausfinden, dass das gar nicht so schlimm ist und es weiter erzählen und mehr Leute würden öffentliche Verkehrsmittel nutzen und vielleicht sogar Fahrradfahren oder laufen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir die Plakatwerbung wieder ein. Die Idee ist gut, doch Halle noch nicht bereit.

    Übrigens war August Hermann Francke ein deutscher Theologe und Pädagoge. Er begründete die Franckischen Stiftungen. Sie wuchsen aus einem Waisenhaus heraus zu einer Schulstadt, in der bis zu 2500 Menschen lebten.

  5. Bolzplatz Rosa-Luxemburg-Platz

    Bolzplatz Rosa-Luxemburg-Platz

    Eigentlich wollte man hier 75 Parkplätze für das Landesmuseum für Vorgeschichte hinknallen.

    Am 23. Mai wurde die Ausstellung der Himmelsscheibe von Nebra neu eröffnet. Da nach Berechnungen der Stadtverwaltung rund ein Drittel aller Besucher mit dem Auto anreisen würden, wären die Parkplätze furchtbar nötig. Das gab mächtigen Terz von den Anwohnern, die den schon leicht rampunierten Bolzplatz in ihr Herz geschlossen haben und den Abriss für ausgeschlossen halten. Der Bau der Parkplätze wurde abgelehnt und der Bolzplatz ist noch da.

    Wie man das Parkplatzproblem gelöst hat? Auf Halle.de kann man z.B. Folgendes unter „Anreise“ lesen: „In unmittelbarer Nähe des Museums steht nur eine geringe Anzahl an Parkplätzen zur Verfügung. Deshalb wird darum gebeten, vorzugsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Bitte beachten Sie die entsprechenden Hinweistafeln.“ So einfach ist das.

    Übrigens war Rosa Luxemburg eine eine bedeutende Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung und des proletarischen Internationalismus. Sie gründete die Gruppe Internationale und leitete zusammen mit Karl Liebknecht den Spartakusbund. Beide wurden in Folge des gescheiterten Spartakusaufstandes von Freikorps-Soldaten ermordet.