1. sei teil der bewegung

    Vor kurzem bekamen wir eine Mail von Jascha, der uns bat auf ein Kurzfilmprojekt hinzuweisen. Hier is’ es.

    SEI TEIL DER BEWEGUNG” will Menschen motivieren ihren Stromanbieter zu wechseln und damit ihren Teil zu einer wichtigen und dringend nötigen Problemlöse-Strategie beizutragen.

    Die Debatten um Atomkraft kennen wir alle. Das Problem bleibt: eine langfristige Lösung für den Verbleib von radioaktivem Abfall existiert nicht. Die logische Konsequenz ist der Wechsel zu Ökostromanbietern, die regenerative Energien fördern.

    Das Filmprojekt ist die Arbeit einiger Kreativer, die den Spot budgetfrei und aus eigenem Engagement produziert haben.

    Ich finde die Idee gut, zumal ich selber gerade vom klassichen kommunalen Versorger zu einem hoffentlich verantwortungsvolleren Unternehmen gewechselt habe.

    Eins verstehe ich dabei aber leider nicht. “Sei Teil der Bewegung” schreit mich der Claim förmlich an. Aber, welcher Bewegung denn? Die Kampagnenwebseite ist schick und schlicht. Kein socialmediawahnsinn weist mich auf die unüberschaubare Gruppe hin, der ich mich mit diesem Beitrag gerade anschließe. Kein Presseescho zeigt mir, dass ich nicht ganz alleine die Fahne von Jascha & Co. hoch halte.

    Aber naja, ich halt sie trotzdem.

  2. Schließung Thalia Theater

    Als ich es letzte Woche mitbekommen habe, dass auf einer außerordentlich Sitzung des Aufsichtsrates der Theater, Oper und Orchester GmbH, die heute statt fand, die Schließung des Thalia Theaters bevor steht war ich schon überrascht.

    Und um es mal schwammig zu formulieren, ging es einigen aus dem Thalia genau so.. und wurde sinngemäß kommentiert mit:

    Dann sind die Fronten ja geklärt..

    Nun kann man es beim Halleforum und bei der MZ lesen, das Thalia Theater soll geschlossen werden. Vorgesehen ist dies zum Ende der Spielzeit 2010/2011..

    UPDATE: Zur Onlinepetition gegen die Schließung des Thalia Theaters geht’s hier entlang.

    UDATE ZWEI: hier mal noch der Verweiß auf thalia21, auf dieser Seite veröffentliche Thalia-Mitarbeiter Informationen und Neuigkeiten zur geplanten Schließung..

  3. Generation Porno

    via fefe:

    Die neue Kampagne der viktorianisch-konservativen “ihr sollt euch nach unseren Moralvorstellungen benehmen” Fraktion um Frau zu Guttenberg rollte heute in Form der “Bild” an einer Tanke auf das Volk zu.

    Dieser BILD-Artikel von Frau zu Guttenberg hat mich an eine Dokumentation vom ZDF erinnert, die ich vom Ansatzpunkt gesehen recht spannend finde. Bis jetzt hab ich mir leider noch keine weiteren Gedanken zu dem Thema gemacht, deswegen sei hier erst einmal darauf verwiesen.. Außerdem müsste ich mir die Dokumentation wieder mal anschauen, um einen Zugang zu dem Thema zu entwickeln und um mir da mal ein paar weitere Betrachtungswinkel zu suchen..

    was ich übrigens sehr bezeichnend finde: das ZDF betrachtet diese Thema unter Jugendlichen und lässt diese aber komplett außen vor. Die ganze Dokumentation kann nur in den Nachstunden von 20 bis 6 Uhr im Netz geschaut werden..

    Update (16.09.2010):

    Ach nein, wie schön! Gestern wieder auf dieses Thema gestoßen – und zack! – einen Tag später liegt die neue DUMMY im Briefkasten mit dem unschlagbar passenden Thema: “Jugend”.

    Ein hübsches Cover muss ich sagen! Hier auch mal ein kurzer Auszug zur Idee dahinter vom dummyblog:

    Ahmed und seine Kumpels aus Kreuzberg waren gleich Feuer und Flamme für DUMMY. Eigentlich mussten wir die meisten Jugendlichen gar nicht großartig überreden, als es darum ging, das Cover unserer nächsten Ausgabe zu verzieren. Bewaffnet mit Markern und Kugelschreibern stürzten sie sich nach Schulschluss auf Portraits von Kristina Schröder und verwandelten die juvenile Ministerin zum Beispiel in ein Gothic Babe, einen Teufel und  in etwas, das aussah wie eine masochistische Außerirdische, die Zigarre raucht. Manche nahmen sich bis zu dreißig Minuten Zeit, um sich auch noch eine politische Message aus den Fingern zu saugen: “I love Joints”, “Hartz4?, “Die Regierung versklavt unseren Verstand”. Sowas eben. Überrascht hat uns dann aber, dass vor allem die Mädchen die fiesesten Penisnasen und Ferkeleien produzierten. [...]

    Bis jetzt hab ich leider nur einen kurzen Blick reinwerfen können und schnell mal überflogen – wie immer schick gemacht, mal sehen was inhaltlich geboten wird..

  4. Kommentar zu Quereinsteiger (vs. 40-Jahre-Einheitssuppenarbeit)

    Eigentlich wollte ich ja nur einen Kommmentar zu Marcus’ Beitrag tippen aber ich glaube, dass es zu vielen Zeichen werden..

    Aber zum Text:

    Ich mach’s mir einfach und sage: Quereinsteiger sind immer Kreative. Wer sonst ist so bekloppt und wechselt in ein Berufsfeld, von dem er zugegebenermaßen keinen blassen Schimmer hat?

    also ich glaube ja, dass Quereinsteiger nicht unbedingt kreativ sein müssen. Auf einen in großen Teil trifft das sicher zu aber ich finde es etwas einfach, so reduziert auf die Berufsentwicklung zu schauen. Um es mal mit dem “sozialen Totschlagargument ” auszudrücken: oft ist es auch Verzweiflung, die Menschen dazu zwingt, in unbekannte zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnisse einzuwilligen. Und erst wenn sie eingewilligt haben und ihre Jobs dann rocken, werden sie aus meiner Sicht zu Quereinsteigern – erst das Etablieren und das Erfolgreich sein ist es, was es ausmacht.. Man ist noch lange kein Quereinsteiger, nur weil man eine Ausbildung zum/zur Maler/Malerin absolviert hat und sich dann denkt mal ein Praktikum in der Imbissbudenkultur zu versuchen. Außerdem gab es schon immer Quereinsteiger, heutzutage ist es nur etablierter sich nicht durch  40-Jahre-Einheitssuppenarbeit zu quälen..

    Auf die gesamte Wirtschaft umgemünzt bedeutet das: WIRTSCHAFT IST KEIN GESCHLOSSENES SYSTEM.

    [...]

    Anderer Output durch anderen Input. Quereinsteiger werden früher oder später die Wirtschaft dominieren.

    Das ist aber nichts Neues.. Wirtschaft ist ja nur ein Teil des gesellschaftlichen Lebens und so bilden sich auch je nach Kultur, Finanzkraft,.. unterschiedliche Wirtschaftsauswüchse. Ich kann es mir nicht Vorstellen, dass die Gruppe der Quereinsteiger so dominant wird und “früher oder später” den Großteil der arbeitstätigen Gruppe ausmacht. Dafür gibt es aus meiner Sicht viel zu viele negative Anhängsel fürs Quereinsteigen, wie z.B.:

    • mögliche Überforderung
    • meist geringeres Gehalt wegen fehlender Qualifizierungen
    • in der Regel zeitlich begrenztes Arbeitsverhältnis
    • stressige Einarbeitungszeit
    • ..

    Individualisierung passiert natürlich und vielleicht werden auch immer mehr Menschen zu Quereinsteigern oder “Job-Hoppern” – aber die Mehrheit? Dafür müsste doch eine Entwicklung dahingehend stattfinden, die Menschen zu autonom denkenden Individuen erzieht, es geht aber glaube ich eher in diese Richtung:

    Nichts mit “ich bin kreativ und mache was ich will”. Sondern: “Was gibt mir die meiste Sicherheit und den wenigsten Aufwand und wie genau lässt sich damit planen?” Dieses romantische Bild von den abermillionen Kreativen mit unbändigem Drang, sich irgendwo einzumischen, egal ob sie einen Plan von dem haben was sie da machen oder nicht, ist glaube ich eher das Bild eines minimalen Prozentsatzes der Gesamtbevölkerung und dabei wird es auch bleiben..

    Das zukünftige Generationen anders arbeiten werden und mehr Jobs/Berufe ausüben werden, sei natürlich mal dahin gestellt. Aber was wird daran sein, um sie als Quereinsteiger zu betiteln?

  5. Quereinsteiger

    Gastbeitrag

    (Headline:)

    Aus einem kranken Arsch kommt kein gesunder Furz.

    M. L. King

    (Copy:)

    Man kann ganz viel schlaue Sachen über die Arbeitswelt schreiben. Zum Beispiel, dass die zehn meistgesuchten Jobs in den USA 2010 im Jahr 2004 überhaupt noch nicht existierten. Man kann aber auch ehrlich sein und sagen: ich habe keine Ahnung wie sich die Arbeitswelt entwickeln wird.

    Und leider stimmt das auch. In solchen Situationen hält man sich am besten an Fakten. Fakt ist zum Beispiel, dass unser Obst und Gemüse hier in Deutschland in anderen Ländern wie Spanien oder Frankreich an die Schweine verfüttert wird.

    Wie sieht die linke Schamlippe von Paris Hilton aus? Keine Ahnung. Wen interessiert das auch? Eben, wen interessiert, dass die Franzosen und Spanier deutlich mehr Geld für Obst und Gemüse ausgeben (übrigens für alle Lebensmittel) als die Deutschen. Den meisten Menschen ist es schnurzpiepegal.

    Und da ist das Problem. In der eigenen Welt ist der eigene Horizont beschränkt. Das ist keine Theorie, das ist Physik. Wo nur kranke Menschen mit Brettern vorm Kopp sitzen kommt am Ende auch nichts Gesundes bei raus. Lösungen aber, findet man am besten durch Umdenken. Querdenken. Längsdenken, oder wie auch immer.

    Ohne Quereinsteiger fressen wir weiter Gammelfleisch und Schweineobst. Ich mach’s mir einfach und sage: Quereinsteiger sind immer Kreative. Wer sonst ist so bekloppt und wechselt in ein Berufsfeld, von dem er zugegebenermaßen keinen blassen Schimmer hat?

    Nun mischen sich im Unternehmen Fachidioten mit Quereinsteigern. Und was passiert? Wikipedia beantwortet diese Frage: „Bei mischtechnischen Vorgängen werden die Bestandteile von mindestens zwei getrennt vorliegenden Ausgangsstoffen durch Relativbewegung so umpositioniert, dass ein neues Anordnungsschema entsteht“.

    Auf die gesamte Wirtschaft umgemünzt bedeutet das: WIRTSCHAFT IST KEIN GESCHLOSSENES SYSTEM. Alles drumherum (Kultur, Bildung, Soziales) ist mit integriert. Das heißt nichts weniger, als: die neue Wirtschaft (wie auch immer sie aussieht) lebt von ihrer Mischung, sprich Vielfalt, sprich von neuen Anordnungsschemen.

    Anderer Output durch anderen Input. Quereinsteiger werden früher oder später die Wirtschaft dominieren. Gehen Sie jetzt bitte zum Kühlschrank und holen Sie eine Flasche Sekt. Wir müssen anstoßen ­ ich warte auch so lange hier.

    Sie alle wissen, was einen Quereinsteiger zum Quereinsteiger macht. Dafür ist das Thema schon viel zu stark besetzt. Das Schlimme ist, Sie alle wissen auch, was einen Quereinsteiger ausmacht. Jeder kann sich zum Quereinsteiger machen und heute schon mal üben, was ihn morgen erfolgreich macht.

    Wo das alles hinführt, kann keiner klar sagen. Oder vielleicht doch, aber dann würde er lügen. Wahr ist allerdings, dass irgendein schlauer US-Amerikaner herausgefunden hat, dass die Schüler von heute in Ihrem Leben bis zu 14 Jobs haben werden.

    (Alternatives Ende:)

    Ich bitte Sie jetzt aber, sich über dieses Thema keine Gedanken zu machen. Bleiben Sie einfach, wo Sie sind. Schön stil und keine Bewegung. So kann ich von Job zu Job hüpfen, immer erfolgreicher und irgendwann unermesslich reich werden. Schön.

    unser Gastautor: Marcus Naumann

    … kommt aus Halle. Lebt und arbeitet inzwischen in Hamburg. Er ist Texter in einer Werbeagentur. mehr