1. Kommentar zu Quereinsteiger (vs. 40-Jahre-Einheitssuppenarbeit)

    Eigentlich wollte ich ja nur einen Kommmentar zu Marcus’ Beitrag tippen aber ich glaube, dass es zu vielen Zeichen werden..

    Aber zum Text:

    Ich mach’s mir einfach und sage: Quereinsteiger sind immer Kreative. Wer sonst ist so bekloppt und wechselt in ein Berufsfeld, von dem er zugegebenermaßen keinen blassen Schimmer hat?

    also ich glaube ja, dass Quereinsteiger nicht unbedingt kreativ sein müssen. Auf einen in großen Teil trifft das sicher zu aber ich finde es etwas einfach, so reduziert auf die Berufsentwicklung zu schauen. Um es mal mit dem “sozialen Totschlagargument ” auszudrücken: oft ist es auch Verzweiflung, die Menschen dazu zwingt, in unbekannte zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnisse einzuwilligen. Und erst wenn sie eingewilligt haben und ihre Jobs dann rocken, werden sie aus meiner Sicht zu Quereinsteigern – erst das Etablieren und das Erfolgreich sein ist es, was es ausmacht.. Man ist noch lange kein Quereinsteiger, nur weil man eine Ausbildung zum/zur Maler/Malerin absolviert hat und sich dann denkt mal ein Praktikum in der Imbissbudenkultur zu versuchen. Außerdem gab es schon immer Quereinsteiger, heutzutage ist es nur etablierter sich nicht durch  40-Jahre-Einheitssuppenarbeit zu quälen..

    Auf die gesamte Wirtschaft umgemünzt bedeutet das: WIRTSCHAFT IST KEIN GESCHLOSSENES SYSTEM.

    [...]

    Anderer Output durch anderen Input. Quereinsteiger werden früher oder später die Wirtschaft dominieren.

    Das ist aber nichts Neues.. Wirtschaft ist ja nur ein Teil des gesellschaftlichen Lebens und so bilden sich auch je nach Kultur, Finanzkraft,.. unterschiedliche Wirtschaftsauswüchse. Ich kann es mir nicht Vorstellen, dass die Gruppe der Quereinsteiger so dominant wird und “früher oder später” den Großteil der arbeitstätigen Gruppe ausmacht. Dafür gibt es aus meiner Sicht viel zu viele negative Anhängsel fürs Quereinsteigen, wie z.B.:

    • mögliche Überforderung
    • meist geringeres Gehalt wegen fehlender Qualifizierungen
    • in der Regel zeitlich begrenztes Arbeitsverhältnis
    • stressige Einarbeitungszeit
    • ..

    Individualisierung passiert natürlich und vielleicht werden auch immer mehr Menschen zu Quereinsteigern oder “Job-Hoppern” – aber die Mehrheit? Dafür müsste doch eine Entwicklung dahingehend stattfinden, die Menschen zu autonom denkenden Individuen erzieht, es geht aber glaube ich eher in diese Richtung:

    Nichts mit “ich bin kreativ und mache was ich will”. Sondern: “Was gibt mir die meiste Sicherheit und den wenigsten Aufwand und wie genau lässt sich damit planen?” Dieses romantische Bild von den abermillionen Kreativen mit unbändigem Drang, sich irgendwo einzumischen, egal ob sie einen Plan von dem haben was sie da machen oder nicht, ist glaube ich eher das Bild eines minimalen Prozentsatzes der Gesamtbevölkerung und dabei wird es auch bleiben..

    Das zukünftige Generationen anders arbeiten werden und mehr Jobs/Berufe ausüben werden, sei natürlich mal dahin gestellt. Aber was wird daran sein, um sie als Quereinsteiger zu betiteln?

  2. 7 Kommentare

    1. Marcus 5. April 2010 um 16:21 #1

      Ja.

      Zwei Dinge stelle ich fest.
      Erstens: ich komme gerade aus dem Urlaub und bin erstaunlich erholt.

      Zweitens: Du schreibt großen Mist. Nein, kein großer Mist: eher großes Obst.

      Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
      Natürlich kann sich auch ein arbeitsloser Malermeister via ABM-Maßnahme zum stolzen Imbissbudenbetreiber mausern.

      Das ist toll. Denn er verwirklicht sich, wenn auch aus existenziellen Beweggründen, selbst.

      Und gibt die Sicherheit seines 354 Euro Hartz-Vier-Satzes auf. Das ist mutig.

      Und da sind wir auch schon beim Thema. Mut. Er ist existenziell.

      Ohne Mut nichts los. Tote Hose. Der Kollateral-Fehler in der Quereinsteiger-Debatte ist, den Menschen ihren Mut abzuerkennen.

      Viel wichtiger ist es zu erkennen: den Job mit Garantie auf Lebenszeit kannst du lange suchen. Die Leute haben das begriffen.

      Menschen sind mutig. Basta. Glaube daran, dass sich der Großteil selbst verwirklichen möchte. Und glaube ruhig, dass die Meisten dann auch bereit sind, ein Risiko einzugehen.

      Dabei interessiert das Gehalt ‘nen scheiß. Wer erkennt: Ich ackere nicht für die Kohle, sondern für die Selbstbestimmtheit; der wird irgendwann glücklich im Schaukelstuhl versinken.

      Wer nicht, nicht. Sicherheit verliert dramatisch an Wert. Quereinsteiger sind deshalb ein Symptom. Die Krankheit heißt Selbstverwirklichung.

      Und die Opfer sind diejenigen, die das unterschätzen.

    2. zwei 5. April 2010 um 19:01 #2

      Na klar Mut gehört dazu..
      Und ich find deinen Idealismus super allen Menschen diesen zuzuschreiben und würde mir das auch wünschen
      aber ich glaube das sind nicht so viele..

      Du schreibst den Quereinsteigern pauschal Kreativität zu, diese wird aber nicht unbedingt in allen Teilen des Wirtschaftssytems benötigt.
      Wie sollen sich Quereinsteiger denn in der Fabrikarbeit durchsetzen? Was macht solche Berufe für Quereinsteiger interessant? Inspiration am Fließband? Millionenfach?

      Natürlich werden immer weniger Menschen durch Technisierung und ähnliches in den heute noch personalastigen Wirtschaftsbereichen arbeiten aber auch wenn sich dieses Gefüge einmal verschoben hat glaube ich nicht daran, dass es zu einer Welle von Quereinsteigern kommt. Salopp gesagt: “Wo sollen die den alle hin?”

      Ich habe eher die Befürchtung das so eine Art Tittytainment programm werden wird..

    3. Marcus 5. April 2010 um 19:19 #3

      Du hast recht.
      Kreativität wird nicht in allen bereichen der Wirtschaft benötigt.

      Trotzdem ist sie essentiell. Und nahezu überall vorhanden, nicht, dass alle irgendwas Tolles schaffen.

      Aber Lösungen finden.

      Mal ehrlich: der Vergleich zur Fabrikarbeit hinkt und holpert und stolpert und klappert an alle Enden.

      Fließband is over. Aber du hast schon wieder recht: wenn ja, dann wohin mit all den Freigeistern und Quereinsteigern?

      Erstmal raus aus den Köpfen! Quereinsteiger sind keine avantgardistischen Spastis.

      Was sie genau sind und wer, dass trau’ ich mich nicht zu mutmaßen. Fakt aber ist, dass sich die Wirtschaftsbereiche schon jetzt viel stärker vermischen, als noch vor 10 oder 15 Jahren.

      Der Lead-Gedanke ist abhanden gekommen. Die Vernetzung schon heute gigantisch. Das ist toll.

      Ich glaube, wir stehen sowas von am Anfang einer radikal neuen Arbeitswelt. Frei, flexibel, selbstbestimmt.

      Oder anders gesagt:
      frei + flexibel + selbstbestimmt = ungerade. Sprich kreuz und quer.

      Wo wir wieder beim Thema sind.

    4. zwei 6. April 2010 um 19:41 #4

      Also ich gehe da komplett mit, dass sich die Berufswelt zu einem Kessel Buntes verändern wird, aber ich glaube nicht, dass ein Großteil der Bevölkerung daran teilnehmen wird.

      Im Schlimmsten Fall:
      Der Wandel unserer Arbeitswelt bzw. unseres Arbeitsverständnisses wird sich dahin versteifen Eliten zu bilden, diese werden das Privileg haben Arbeit zu verrichten. Der Großteil der Bevölkerung wird sich in eine neue Ära des Biedermeiers verkriechen und überspitzt gesagt Sonnenaufgänge nur noch bei Youtube ansehen..

      Da kann die Arbeitswelt noch so aufregend und flexibel werden, nur wenn es kaum einer mitmachen kann..

    5. Marcus 6. April 2010 um 20:38 #5

      Großer Gedanke.
      Da geh ich mit: mehr als je zuvor schließt sich ein großer Teil der Bevölkerung quasi selbst vom Arbeitsmarkt aus.

      Weil sie dumm sind. Eine Wissensgesellschaft verzeiht keine schlecht integrierten Immigranten. Keine kloppenden Assi-Kids. Und keine antriebslosen Scheißegal-Teenies.

      So ist das. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was man so wirkungsvolles dagegen tun kann.

      Das steht aber unabhängig vom Quereinsteiger-Gedanken. Vielleicht sollte man sich langsam Gedanken machen, wie man mithilfe von Quereinstiegen eine Gerade zwischen arm und reich ziehen kann.

      Auch ein großer Gedanke.

    6. Marcus 6. April 2010 um 20:40 #6

      “Das steht aber unabhängig vom Quereinsteiger-Gedanken.” bitte aus dem oberen Kommentar wegdenken. Is natürlich quatsch.

    7. zwei 7. April 2010 um 16:23 #7

      “Vielleicht sollte man sich langsam Gedanken machen, wie man mithilfe von Quereinstiegen eine Gerade zwischen arm und reich ziehen kann.”

      den Gedanken find ich echt spannend, lass uns da mal drüber nachdenken, vielleicht findet man unter diesem Aufhänger ein paar spennende Infos..

    Selber einen Kommentar schreiben

    Ein wenig HTML ist erlaubt, bei vielen Links geht aber u.U. unser Filter an und Dein Kommentar landet erstmal auf der Warteliste.

    <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>