1. Agentur für Arbeit

    Agentur für Arbeit

    Der häufigste Satz, den ich in der Agentur für Arbeit in der Schopenhauerstraße gehört hab, war „In den Fahrstuhl, in die erste Etage, die kleine Schräge runter und dann da warten.“

    Ich war eigentlich noch nicht so oft da. Es war auch nicht sonderlich spannend.Hier mal eine Frau mit einer diesen blumengemusterten Strickjacken, da so ein Mann mit dicken Bauch.

    Aber der Fahrstuhl, der hat sich eingebrannt. Dauernd „ding dong, ding dong“. Eigentlich hab ich gedacht, da ist Bambule, da wollen Leute Geld, um zu überleben, da ist immer wieder Widerstand. Doch an sich läuft alles ganz ruhig ab.Inzwischen hab ich rausgefunden, dass sie hier auch das ALG I vergeben. ALG II gibs in Neustadt. Deswegen sind alle so gechilled. Man bekommt hier noch was für’s monatliche Dasein.

    Interessant finde ich, dass die Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt nach dem ehemaligen deutschen Manager Peter Hartz benannt sind. Der Typ is ja ein Verbrecher. So gesagt. Schließlich hat er 2,6 Millionen Euro veruntreut. Er ist noch auf Bewährung (Sie haben ihm statt 15 Jahren Haft, 2 Jahre auf Bewährung gegeben). Jetzt muss ich immer dran denken, dass ein alleinstehender Arbeitsloser Bezüge von knapp 340 im Monat erhält mit dem Namensaufdruck von jemanden der einfach so 2,6 Millionen Euro verschludert hat. Er zahlte ein paar Jahre über 7600 Euro an eine brasilianische Geliebte von dem Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert. Das ist doch mal eine ordentliche Unterstützung. Was man nicht alles über Wikipedia rausfindet.

    Nuja. Jedenfalls.

    Am 31. März 2007 waren 90.236 Menschen in Halle beschäftigt und 19.161 Menschen halt nicht. Ein Jahr später sind es 18.389. Davon sind 3.946 Menschen nach SGB II gemeldet und ganze 14.443 nach SGB II.

  2. bedingungsloses Grundeinkommen – Teil 1

    Im Januar bin ich auf einen Filmtrailer zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen gestoßen, den ich recht interessant fand und über den auch Carsten im letzten Jahr schon berichtet hat:

    Der Film (findet man ebenfalls bei Youtube) ist sehr zu empfehlen, es kommen interessante Menschen zu Wort, wie z.B. Götz Werner der Gründer der Drogeriekette dm und starker Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens.

    Der Film hat mich an eine Reportage vom ZDF erinnert, die über das Modellprojekt “BIG” (Basic Income Grant) in Otjivéro-Omitara, einem Dorf in Namibia, berichtete. Dort wurde seit Januar 2008 ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgezahlt. Dieses Modellprojekt lief im Dezember 2009 aus.

    Die erste Auszahlung (Foto: Claudia Haarmann)

    Mit der Unterstützung der Kirchen, Anti-Aids-Initiativen, Stiftungen und anderen Entwicklungsorganisationen konnte BIG zwei Jahre lang jedem Einwohner monatlich 100 namibische Dollar (ca. acht Euro) auszahlen. Bei der Recherche zu Ergebnissen des Projekts bin ich auf ein Referat vom 16.5.2009 zum europäischen Symposium zum Grundeinkommen in Herzogenrath gestoßen. Darin zieht Dagmar Paternoga (Afrika-Expertin und Mitglied der Attac-Arbeitsgruppe „Genug für alle“) gut zusammengefasst bereits eine positive Zwischenbilanz:

    • Wöchentliche Mangelernährung bei Kindern fiel von 40 auf 2 %
    • Ernährungssicherheit stieg von 20 auf 60 %!
    • Seit Januar 2008 gab es keinen einzigen Fall mehr von Unterernährung: Der Beweis, , dass N$100 wirklich helfen, den Hunger zu beseitigen
    • Nach Zahlung des BIG verdoppelte sich die Zahl der Schulgängerinnen
    • Kriminalität: seit Einführung des BIG fiel die Kriminalitätsrate von 43 auf 28 %
    • Arbeitslosigkeit fiel von 60 auf 45 %
    • [...]

    Leider habe ich bis jetzt – auch nach weiteren zwei Monaten Recherche – noch keine ausführlichen Abschlussergebnisse zu dem Modellversuch gefunden. Damit dieser Beitrag nun nicht noch länger als Entwurfsleiche im Medienstadtkeller verstaub veröffentliche ich ihn erstmal und werde ihn in nächster Zeit aktualisieren und weitere Modellversuche zusammenfassen und vorstellen..

  3. Themenserie Arbeit – Frithjof Bergmann

    Nun ist es endlich soweit und mein erster Beitrag zur Themenserie Arbeit ist fertig. Wie versprochen gibt es ein Gespräch mit Frithjof Bergmann dem Chairman der New Work Enterprises. Aber zuerst möchte ich noch erwähnen, wie entspannt es war, dass Gespräch mit Frithjof Bergmann vorzubereiten, ich habe ihm eine Mail geschrieben und innerhalb von 24h eine Antwort bekommen:

    Ich bin jetzt gerade in Deutschland. E-mail mir doch Deine Fragen. Wir koennen auch pauschal festnetz telephonieren

    Diese unkomplizierte Art, Sachen beim Namen zu nennen, gefiel mir auch, als ich das erste Mal ein Buch von ihm in den Händen hielt und flüchtig ein paar Seiten durchblätterte. Das war 2007 “Neue Arbeit – Neue Kultur”.

    Frithjof Bergmann

    Frithjof Bergmann

    1963 gewann er mit einem Aufsatz zur “Welt, in der wir leben wollen” ein Studienjahr in Oregon von der österreichischen US-Botschaft und blieb in Amerika. Zunächst schlug er sich als Tellerwäscher, Preisboxer, Fließband- und Hafenarbeiter durch. Später schrieb er Theaterstücke und lebte fast 2 Jahre lang als Selbstversorger auf dem Land bei New Hampshire. Er studierte Philosophie an der Universität Princeton, promovierte mit einer Arbeit über Hegel und erhielt Lehraufträge in Princeton, Stanford, Chicago und Berkeley.

    Quelle: Wikipedia

    2004 Schrieb er das Buch “Neue Arbeit – Neue Kultur”. Ich hatte jetzt das Glück mit ihm über seine Ideen und Vorstellungen zu reden: Wie eine zukünftige Arbeitsgesellschaft aussehen könnte, was es heißen würde eine Arbeit zu haben, die man wirklich, wirklich will und nicht zuletzt, welche Rahmenbedingungen dafür nötig wären. Könnte die aktuelle weltwirtschaftliche Situation eine dieser Bedingungen sein? Wie schätzt er die momentane Entwicklung ein?

    Gespräch mit Frithjof Bergman

    Vielen Dank an Frithjof Bergmann für die unkomplizierte Realisierung und die aufschlussreiche Unterhaltung.

  4. Recherchesammlung: Arbeit

    Einleitend in unsere Arbeitsserie stelle ich unsere Rechercheergebnisse für ein geplantes Projekt vor. Die vorliegende Sammlung ist eine Auswahl empfehlenswerter Literatur, Radiosendungen, Webseiten und Filme bzw. Spots.

    Literaturempfehlungen, Magazine und Zeitungen

    1. Prekäre Perspektiven … in der neuen GesellschaftInformationen aus der Tiefe des unsicheren Raumes, Reader zur Diskussionsreihe, Hrsg. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V., Berlin 2004 – 2006
    2. Wir nennen es ArbeitDie digitale Boheme oder Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung, Sascha Lobo, Holm Friebe, Wilhelm Heyne Verlag, München 2006
    3. Wovon lebst du eigentlich? Vom Überleben in prekären Zeiten, Jörn Morisse, Rasmus Engler, Piper Verlag GmbH, München 2007
    4. Neue Arbeit, Neue Kultur

      Frithjof Bergmann, Arbor Verlag, Freiamt 2004

    5. The Rise of the Creative Class And How It’s Transforming Work, Leisure, Community and Everyday Life, Richard Florida, basic books, New York 2002
    6. Entgrenzung von Arbeit und Leben Essaysammlung in der Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament„, Aus Politik und Zeitgeschichte, Ausgabe 34 / 2007, Bonn 2007

    Radiofeatures, Interviews und Reportagen

    1. Arbeit, die wir wirklich wollenFrithjof Bergmann über sein Konzept der Neuen Arbeit, Hörbuch, blauburg Verlag, Freiburg 2004
    2. Prekäre SuperheldenPrekäre Superhelden

      Superhelden und Heldinnen widmet sich die Ag „Schwerprekär„ ausnahmsweise in Buchform. Interview mit Autor Dipl. Politologe Stephan Adolphs., freie-radios.net, Radio Corax 2008

    3. Das Monster Prekariat Das Monster Prekariat

      Es geht um den Begriff des »Prekariats«. Was es genau mit dieser umstrittenen Kampfvokabel auf sich hat, in welchen Kontexten sie Verwendung findet und welchen Erkenntniswert sie bereitstellt, freie-radios.net, Radio Corax 2008

    4. Organisiert das schöne Leben Organisiert das schöne Leben

      Interview mit Philipp Stein, einem Sprecher des Berliner Mayday-Bündnisses., freie-radios.net, Radio Corax 2008

    5. Vor- und Nachteile notwendiger Rahmenbedingungen der digitalen BohèmeVor- und Nachteile notwendiger Rahmenbedingungen der digitalen Bohème

      Sascha Lobo, der 2006 der digitalen Bohème eine prächtige Zukunft prophezeite, redet er über die notwendigen Rahmenbedingungen des selbst bestimmten Arbeitens., freie-radios.net, Radio Corax 2008

    6. die digitale Bohèmedie digitale Bohème

      Alternative zum unbefriedigenden Brotjob oder Avantgarde einer völligen Ökonomisierung aller Lebensbereiche?, freie-radios.net, Radio Corax 2008

    7. Strike Bike Strike Bike

      Eine Belegschaft leistet Widerstand gegen die Schließung aus ökonomischen Gründen und schafft das Unmögliche: Sie gränden ihre eigene Firma und bauen ihre eigenen Protest-Fahrräder., freie-radios.net, Radio Corax 2008

    Weblinks mit Ideen und Projekten

    1. ARBEIT(s)LEBEN im WANDEL Onlinedosier des Goethe-Institut zum Thema „Zukunft der Arbeit, Prekarisierung, Generation Praktikum“, Goethe-Institut, München 2006 – 2008
    2. Die Zukunft der Arbeitbrandeins Onlinedosier Nummer 06 zum Thema „Zukunft der Arbeit“, brandeins Verlag GmbH & Co. OHG, Hamburg 2000 – 2007
    3. Themenjahr „Arbeitswelt(en) Zur Zukunft von Arbeit und Engagement„ (Arbeitstitel)Informationen, Ideensammlung und Aufforderung zur Beteiligung am kulturellen Themenjahr 2009, Stadt Halle, Franckesche Stiftungen, Halle 2008
    4. Von der Bohème zur UnterschichtJob, Geld, Leben – nichts ist mehr sicher. Eine neue Klasse der Ausgebeuteten begehrt auf: Das Prekariat, Thomas Gross, Onlinearchiv DIE ZEIT 27.04.2006 Nr.18
    5. Selbstbestimmung oder Selbstausbeutung?Themenblog zur Digitalen Bohème, Autorin anonym, digitalbohemian.wordpress.com 2008
    6. Was ist Arbeit heute?ist die Frage über dem Kunsttransferprojekt „Geometrie der Arbeit„, das 2006 begann., Fachgebiet Kunstpädagogik und Kunsterziehung an der Burg Giebichenstein, 2008

    Filme, kurze Spots und Reportagen

    1. Vorschaubild: Arbeit?
    2. Vorschaubild: NEBEN DER ARBEIT
    3. Vorschaubild: Prekäre Arbeit und Entlohnung in Sachsen-Anhalt
    4. Vorschaubild: 9to5. Wir nennen es Arbeit
    5. Vorschaubild: Blitzpop
    6. Vorschaubild: Elektrischer Reporter 04: Digitale Bohème
    7. Vorschaubild: Euromayday 2007 Wien - Prekarisierung
    8. Vorschaubild: kreatives proletariat

    Diese Sammlung stand bis jetzt unter schichtsysteme.medienstadt.info zur Verfügung und ist ab sofort nur noch hier erreichbar.

  5. Themenserie Arbeit

    Seit über einem Jahr beschäftigen wir uns mit dem Thema Arbeit, dem Wandel der Arbeitswelt und alten, wie neuen Arbeitsformen. Dieses persönliche Interesse, unsere gesammelten Ideen und eine Hand voll neuer Kontakte mit Gleichgesinnten nehmen wir jetzt zum Anlass eine Beitragsserie zu starten, die unterschiedliche Überlegungen zur Zukunft der Arbeit fokusiert.

    “Arbeit kann uns verkrüppeln und uns sogar umbringen
    aber das ist nur eine Möglichkeit.
    Arbeit vermag uns auch Energien zu schenken,
    die zu besitzen wir uns nie hätten träumen lassen…”

    Frithjof Bergmann

    Da wir persönlich nur ein gefährliches Halbwissen zu Arbeitspolitik und unterschiedlichen Arbeitsformen besitzen, holen wir uns für die jeweiligen Beiträge Unterstützung von Experten, reden und schreiben mit ihnen über Ansichten zum Arbeitsbegriff. Es werden Biographien vorgestellt, Ideen, Konzepte und Projekte betrachtet.

    Ziel ist es Einblick zu geben, in eine Zukunft der Arbeit, die teilweise bereits gelebt wird und teilweise nur darauf wartet umgesetzt zu werden, vielleicht wird sich aber auch zeigen, dass bereits Vergangenes eine neue Chance bekommen könnte, Arbeitssystem von morgen zu werden. Philosophisch, pragmatisch, subjektiv und teilweise auch naiv werden wir Probleme und Chancen untersuchen, Utopien aufzeigen und versuchen Ansätze zu bieten, welche diskutiert, erweitert und verworfen werden können.

    Eröffnet wird die Serie in den nächsten Tagen mit Frithjof Bergmann über seine Theorien zu “Arbeit, die wir wirklich, wirklich wollen”.

    Alle Beiträge in dieser Serie sind getaggt mit themenseriearbeit.