1. Franckeplatz

    Franckeplatz

    Es gab mal eine Plakatwerbung am Frankeplatz, auf der man XXO spielen konnte. Ich war (glaub ich) der Einzige, der ein Kreuz gesetzt hat. Mit Kuli. Das war eine Arbeit, bis man das Kreuz einigermaßen gesehen hat. Doch keiner hat mitgespielt, außer ein Idiot, der ein Hakenkreuz daneben setzte. Das war für mich schon endtäuschend. Aber so ist das häufig in Halle. Wird eine Alternative zum städtischen Schwachsin angeboten, so wird der städtische Schachsinn in die Alternative gepresst.

    Die Idee war gut, doch Halle noch nicht bereit.

    Die Plakate waren an den Brückenpfeilern der vierspurigen Hochstraße angebracht. Gebaut wurde sie 1968 -1971. Mit einer Länge von 700 Metern verbindet sie Glauchaer Platz, Moritzzwinger, Franckeplatz und Waisenhausring. Die lichte Höhe beträgt 7,5 m. Die Hochstraße soll eine der wichtigsten Verkehrstraßen in Halle sein. An die 40.000 Kraftfahrzeuge rattern täglich darüber weg.

    Jedenfalls an Tagen des Jahres 2006. Müssten sich diese im Stadtverkehr aufteilen, an Ampeln halten, einordnen, hoch und runterschalten, dann würden täglich 100 000 Liter Sprit mehr verbraucht. Das ist auch der Grund, warum sie noch steht. Sie wird seit Jahren als „Straßenbildzerstörer“ und „häßliches Ungetüm“ bezeichnet.

    Als ich noch mit meiner alleralleraller…allerersten Freundin zusammen war, saßen wir bei irgendeiner Veranstaltung in den Franckischen Stiftungen und hörten einer Vorlesung zu. Also meine Freundin hörte zu, ich döste und zählte alle roten Autos, die auf der Hochstraße vorbeifuhren. Ich war grad bei 267 oder so, da war er fertig, ein paar Leute klatschten, ich wollte aus Höflichkeit mitklatschen, da hielt mir meine Freundin die Hände fest und zischelte: “Spinnst du! Der will, dass die Hochstraße wegkommt! Das würde ein Verkehrschaos geben!“

    Früher hab ich mir gedacht, dass sich deshalb ein paar Leute dazu genötigt fühlen würden vor der Stadt zu parken um mit der Straßenbahn in die Stadt zu fahren. Sie würden eventuell herausfinden, dass das gar nicht so schlimm ist und es weiter erzählen und mehr Leute würden öffentliche Verkehrsmittel nutzen und vielleicht sogar Fahrradfahren oder laufen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir die Plakatwerbung wieder ein. Die Idee ist gut, doch Halle noch nicht bereit.

    Übrigens war August Hermann Francke ein deutscher Theologe und Pädagoge. Er begründete die Franckischen Stiftungen. Sie wuchsen aus einem Waisenhaus heraus zu einer Schulstadt, in der bis zu 2500 Menschen lebten.