1. Obststand

    Obststand

    Der Marktplatz ist ein weites Feld. Auf 16000 m² hatte ich viel Fläche zum rumstehen. 48.000 Natursteinplatten aus dunklem chinesischen Gabbro in verschiedenen Formaten schrien mir zu „Stell Dich auf mich, ich bin ein guter Platz zum Aufnehmen!“

    Von der Randzone riefen 480 000 Pflastersteine aus Diorit: „Komm zu uns! Wir sind auf die gleich Art geflastert wie das Umfeld der Marienkirche!“. 820 Meter Schlitzrinnen aus Edelstahl mit breiter Stahlkante wollten, dass ich auf ihrem Strich gehe. 67 Pflanzkübel, 55 Fahrradbügel als Abstellmöglichkeit für 110 Fahrräder, 20 Abfallbehälter und 14 Hocker- und 8 Lehnenbänke gierten danach, als Sitzmöglichkeit zu dienen. Es war verlockend, da sie auf eine dem Vandalismus vorbeugende und robuste Machart hergestellt wurden. Man sah ihnen die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit geradezu an. Das alles auch noch auf qualitativ und ästhätisch hohem Niveau.

    Seit dem Umbau von 2004 ist der Marktplatz schrecklich devot geworden. Jegliches Ding versucht mir mitzuteilen „Benutz mich, ich bin unerhört intakt und außerordentlich sauber.“ Die Gestaltung des öffentlichen Raumes geht äußerst langsam voran. Das liegt angeblich an den beiden Kameras, welche an Ratshof und Marienkirche hängen. Sie sollen gegen Vandalen, Diebe, Schläger und vielleicht sogar gegen Terroristen schützen. Man kann sie natürlich auch hervoragend dazu nutzen, um zu gucken, ob nicht drei Punks auf einer der niegelnagelneuen Bänke sitzen und Bier trinken. Oder jemand mit zerlumten Kleidungsstücken nach Kleingeld fragt. Sowas würde doch das wunderschöne Bild des Marktes zerstören.

    Für mich jedoch repräsentiert nicht eine Sitzbank oder ein Pflanzkübel die Stadt sondern die hallische Schnauze, besonders gut nachzuverfolgen an den Verkaufsständen für Obst und Gemüse.