1. Unfun in der Skala

    Der Artikel ist noch nicht vollständig und wird weiter ergänzt …

    Bereits im April habe ich Matias Faldbakens Buch UNFUN einen Beitrag geschrieben.. nun hab ich mir das gleichnamige Stück (insziniert von Regisseur Mirko Borscht) endlich mal in der Skala Leipzig angesehen..

    Die Hauptfigur des Stücks heißt Lucy, zu ihr und der Rahmengeschichte schreibt Dramaturg Johannes Kirsten:

    Lucys Wurzeln liegen im Stamme der Ik, jenem Volk, das angeblich keine Liebe kennt. Lucy ist schwarz und 35 Jahre alt – und um weiterhin Anarchistin zu bleiben, muss sie ihre Angehörigen loswerden: Das sind Slaktus, der sie mit 15 in den Wald verschleppt und dort jahrelang misshandelt hat; Atal und Wataman, ihre beiden Snus-abhängigen Geldfälscher-Zwillingssöhne, deren ätzendes Lachen jede Moral untergräbt und sich in den tragischsten und schmerzhaftesten Momenten Bahn bricht; ein polnischer Arzt, die Synchronstimme von Homer Simpson; ein afrikanischer Schauspieler und der Rest des Versager-Teams von Deathbox, dem Splatter-Video-Game ihres Peinigers, das nicht nur von Horrorfilmen der 70er inspiriert ist, sondern auch von „Herz der Finsternis“, Joseph Conrads Erzählung über eine Reise ins Innere des afrikanischen Kontinents.

    Aus Leipzig gerade so die letzte S-Bahn nach Halle bekommen, der Laptop hatte keinen Akku mehr aber die Analogversion – mein Notizbuch – war natürlich auch mit dabei, hier mal meine Gedanken..

    Es kommt ein unwohles Gefühl auf.. In was für einer Welt leben wir? Eine Art Dekadenz, eigentlich viel mehr. Wir bringen es fertig unsere Scheiße mit Trinkwasser die Toilette hinab zu spülen.. Was haben andere?

    Im Vorfeld zum Stück habe ich mir einige Kritiken durchgelesen.. Der Tenor im Gesamten: Man kommt in eine Hölle, Abgründe tuen sich auf.. (ich war gespannt, ob sich das für mich auch herstellt)

    Nachdem ich nun das Stück gesehen habe muss ich sagen, ja das stimmt. Aber der Rest der Kritiken klingt für mich, als hätten die Kritiker das Buch nicht gelesen oder vielmehr das Stück nicht verstanden und damit sie das nicht zugeben müssen schreiben sie um den heißen Brei herum

    UNFUN als Buch funktioniert. Funktioniert anders als UNFUN das Theaterstück. Im Theater wird ein anderer Roter Faden verfolgt

    Den Videoeinspielungen, muss ich an dieser Stelle auch großen Respekt zollen, mit ich glaube drei bis vier Beamern und mehreren Fernsehapparaten werden Stimmungen erzeugt, durch die das Stück immer wieder neu bedrückend und schockierend wirkt, es entsteht eine misantrophe Welt, ein Ausbrechen ist kaum möglich.

    Anschauen lohnt – ist aber nichts für schwache Nerven..

  2. Schließung Thalia Theater

    Als ich es letzte Woche mitbekommen habe, dass auf einer außerordentlich Sitzung des Aufsichtsrates der Theater, Oper und Orchester GmbH, die heute statt fand, die Schließung des Thalia Theaters bevor steht war ich schon überrascht.

    Und um es mal schwammig zu formulieren, ging es einigen aus dem Thalia genau so.. und wurde sinngemäß kommentiert mit:

    Dann sind die Fronten ja geklärt..

    Nun kann man es beim Halleforum und bei der MZ lesen, das Thalia Theater soll geschlossen werden. Vorgesehen ist dies zum Ende der Spielzeit 2010/2011..

    UPDATE: Zur Onlinepetition gegen die Schließung des Thalia Theaters geht’s hier entlang.

    UDATE ZWEI: hier mal noch der Verweiß auf thalia21, auf dieser Seite veröffentliche Thalia-Mitarbeiter Informationen und Neuigkeiten zur geplanten Schließung..

  3. Enter Einheit oder 81 Min. gegen Gemeinheit

    Am Sonntag in Leipzig: Gesamtkunstwerk, ab 20 Uhr in der Skala:

    Mit bunten Bildern, Video- und Audioschnippseln, Textauszügen, Youtube und Chatroulette..

    Mal sehen wo dieser Abend hinführt.. eine Performance mit dem Thema Deutschland..

    Gesamtkunstwerk:

    gesamtkunstwerk versteht sich als Open-Stage-Format. Zweimal im Monat ist die Skala für alle von morgens an geöffnet, um am Abend eigene Standpunkte zu präsentieren. Interdisziplinarität und Cross-over-Projekte sind ausdrücklich gewünscht! Thematische Vorgaben werden nicht gemacht.

    Dieses Mal mit:

    Mirko Borscht, Johannes Kirsten, Alex Kluth, Hannes Hesse

  4. Deutschland tanzt nicht

    An Dieser Stelle ein erster Eindruck von der Premiere von Deutschland tanzt nicht – Skala Leipzig:

    Die, die tanzen, werden nur von denen nicht verstanden, die die Musik nicht hören! Wenn Deutschland nicht mehr tanzt, wo läuft dann die Musik? Ist das Nichttanzen eine Tugend, eine Errungenschaft oder etwas, das es zu überwinden gilt? Heute versucht Deutschland wieder, auf verschiedensten Hochzeiten zu tanzen. Wollen wir tanzen? Und wenn ja, welchen Tanz? [...]

    Johannes Kirsten

    [...] Machen wir der Vergangenheit den Prozess. Uns. Deutschland.“ Um nichts Geringeres geht es, als dem Wesen unseres Landes nahezukommen; den Geist eines Landes zu greifen, das auf eine zerklüftete Geschichte blickt und doch als Land der Dichter und Denker gilt. Oder doch nicht mehr? Gedanke wird Schrift und Schrift wieder Sprache – und alles wird Theater: ein weißer Raum, drei Frauen in Weiß, eine Eiche, der Baum der Bäume. Ein Raum, der beschreibbar wird, füllbar mit Fragmenten, Parolen und Texten zwischen Minderwert und Größenwahn, Dichter, Denker, Degeneration, alle gegen alle, deutsch gegen deutsch.

    Johannes Kirsten

    Eine auf jeden Fall andere Inszenierung von Regisseur Mirko Borscht, salopp gesagt: so ganz ohne Filmblut und irgendwie eine Komödie..

    Nähe zur Bühne und Bierfeststimmung, dass waren wohl meine ersten Eindrücke, nachdem ich den Saal der Skala betreten habe und natürlich der riesige Eichenstumpf – eine ausgetrocknete abgestorbene deutsche Eiche (Bühne: Christian Beck). Man positioniert sich an Stehtischen und wartet auf den Kellner, der das ganze Stück über das Publikum mit frisch gezapftem Bier versorgt, mit anderen Worten man wird direkt ins Klischee gedrängt – ein damit verbundenes Unwohlsein oder Wohlsein muss da jeder mit sich selbst ausmachen..

    Nach ca. 10 Minuten Einlassstimmung geht der komplette Raum in einem Nebelmeer unter. Wie Suchscheinwerfer laufen die Videoinstallationen durch die Nebelwand und zeigen Worte, wie Lufthansa, Krupp, etc. – kurz: das Thema Deutsch in Schlagworten – (Video: Kai Schadeberg) wobei mir die Typografie nicht ganz zugesagt hat..

    Drei buckelige, glatzköpfige, deutsche Frauen steigen die Eiche herab (Kostüme: Elke von Sivers).

    Deutschland tanzt nicht – Ein Museum auf die Bühne gebracht, so mein Eindruck. Man erlebt eine Geschichte in Episoden, in Duellen – die verschiedenen Episoden der deutschen “Vergangenheitsbewältigung” in einem Spiel. Die drei Frauen (Emma Rönnebeck, Melanie Schmidli, Birgit Unterweger) – die Austellungspuppen – Trümmerfrauen – in diesem Museum lebendig geworden. Schauspielerisch an dieser Stelle ein Lob an alle drei, mich haben sie überzeugt auch wenn der starke Improvisationscharakter des Stücks, teilweise die Rollenverteilung bzw. die Rollenverbindung verschleiert. Duelle, wie im Stücktext angekündigt konnte ich nicht in dem Ausmaß erkennen, wie ich sie mir versprochen hatte. Dies merkt auch Patrick Limbach von der Leipziger Internetzeitung an:

    Die schauspielerische Leistung von Emma Rönnebeck, Melanie Schmidli und Birgit Unterweger steht außer Frage. Alle drei erhielten verdienterweise viel Schlussapplaus. Doch der im Programmflyer angekündigte Schlabtausch, deutsch gegen deutsch, blieb den Zuschauern leider erspart.

    Alles in allem ist es ein empfehlenswertes Stück auch wenn ich mich mit dem Thema Deutschland und Identität immer recht schwer tue.. die Klischeebtrachtungen haben spannenden und diskussionswürdigen Inhalt, den ich mir auf jeden Fall noch mal durch den Kopf gehen lasse. Ein weiterer Punkt den  ich für mich noch klären muss ist die Stelleung der Frau in diesem Stück – spätestens, wenn ich das Stück noch mal gesehen habe und deswegen hier auch der Verweis auf die nächsten Vorstellungen in der Skala Leipzig: 29.09.2010 // 09.10.2010 // 24.10.2010

  5. UNFUN

    „Paris war beschissen, wie erwartet, ich hasse die Pariser Grandeur, die Zugreise war beschissen, wie erwartet, Kiel war beschissen, wie erwartet; ich komme aus der Kabine, die ich mit Tuck, der Steinsäge, teile, frisch geduscht, halb geil, herausgeputzt, und bestelle einen Wodka mit Eis.“

    So spricht Lucy, die anarchistische Heldin in Matias Faldbakens UNFUN. Lucys Wurzeln liegen im Stamme der Ik, jenem Volk, das angeblich keine Liebe kennt. Lucy ist schwarz und 35 Jahre alt – und um weiterhin Anarchistin zu bleiben, muss sie ihre Angehörigen loswerden: Das sind Slaktus, der sie mit 15 in den Wald verschleppt und dort jahrelang misshandelt hat; Atal und Wataman, ihre beiden Snus-abhängigen Geldfälscher-Zwillingssöhne, deren ätzendes Lachen jede Moral untergräbt und sich in den tragischsten und schmerzhaftesten Momenten Bahn bricht; ein polnischer Arzt, die Synchronstimme von Homer Simpson; ein afrikanischer Schauspieler und der Rest des Versager-Teams von Deathbox, dem Splatter-Video-Game ihres Peinigers, das nicht nur von Horrorfilmen der 70er inspiriert ist, sondern auch von „Herz der Finsternis“, Joseph Conrads Erzählung über eine Reise ins Innere des afrikanischen Kontinents.

    Am 28. Mai wird es in Leipzig in der Skala auf die Bühne gebracht und da heißt es abwarten und schauen was Regisseur Mirko Borscht inszeniert. Letztes Jahr gab es zu UNFUN auch ein Interview mit Faldbakken auf der Buchmesse und schönerweise gibt es das auf youtube: