1. Mario Willms – Luxusdisussion

    Eine spannende Betrachtung von Mario Willms, besser bekannt als Douglas Greed von Freude am Tanzen, im Rahmen seiner Masterarbeit >>LUXUSDISKUSSION<<.

    Es schildern verschiedene Künstler aus der Technoszene ihre Sicht, zur Entwicklung der Musikszene. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf elektronischer Musik. Kein klassischer Beitrag der Themenserie aber dennoch passend, wie ich finde..

    Hier gehts zum Direktlink..

    oder hier als Podcast via iTunes.

    Im Folgenden der dazugehörende Pressetext zum näheren Verständnis:

    Das Stück betrachtet die Krise der Musikindustrie im Mikrokosmos der elektronischen Tanzmusik. Die Technik- und Zukunftsverliebte Technoszene zwischen nostalgischem „früher war alles besser“ Attitüden und der Suche nach neuen Wegen, um wirtschaftlich und künstlerisch zu überleben.

    In dem musikalischen Hörspiel werden die Stimmungen und Meinungen einiger ausgewählter Protagonisten gegenüberstellt. Die Dankbarkeit dafür, dieses freie und selbst bestimmte Leben führen zu dürfen, trifft auf den Frust, dass Respekt und Wertigkeit für künstlerisches Schaffen scheinbar verloren gehen. Das Festhalten an alten Medien steht der Überflutung durch digitale Medien gegenüber.

    Das Hörspiel möchte Dilemma und Möglichkeiten für den Umgang mit der Krise der Musikindustrie darstellen und zugleich Situationsbericht aus einer Subkultur sein. Dazu wurden Interviews mit Protagonisten der Szene geführt. Diese Interviews wurden anschließend auf einem extra produzierten Soundtrack collagiert und in eine fiktive Ebene eingebettet.

    Das Stück versteht sich als Situationsbericht und möchte dem Hörer Zukunfts-und Existenzängste der Künstler vermitteln, den Wertverfall künstlerischen Schaffens dokumentieren und dabei gleichzeitig die emotionale Verbundenheit der Interviewten mit ihrer Tätigkeit dokumentieren.
    Gerade im Indiebereich der Musikindustrie entstehen momentan neue Strukturen und Abhängigkeiten zwischen Künstlern und Labels. Vielerorts weicht der Wirtschaftsbetrieb Label, mit der Hauptfunktion Musikverkauf, dem Model einer Künstleragentur mit Familienattitüde und vielschichtigen Tätigkeitsfeld.

    Diese Arbeit entstand 2009 Masterarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar und wurde bereits auf Deutschlandradio Kultur, Einslive und WDR 3 gesendet.

    Author: Mario Willms
    Musik: Mario Willms
    Sprecherin: Franziska Grohmann
    Mischung: Ilja Gabler

    Anja Schneider – Dj, Produzentin, Labelbetreiberin, Radiomoderatorin – Mobilee – Berlin
    Ralf Kollmann – Dj, Labelbetreiber – Mobilee – Berlin
    Mathias Kaden – Dj, Produzent, Veranstalter – FAT / Vakant / Muna / Kassablanca – Gera
    Heiko Hoffmann – Chefredakteur – Groove – Berlin
    Heiko MSO – Dj, Produzent, Labelbetreiber – Playhouse/Ongaku – Frankfurt/Main
    Hans Nieswandt – Dj, Produzent, Journalist, Radiomoderator, Autor – Köln
    Thomas Sperling – Labelbetreiber, Veranstalter & Klubbetreiber – FAT – Jena
    Carsten Schuchmann aka Dj Meat – Dj, Produzent – Freebase – Frankfurt/Main
    Gunnar Lenke aka. Dj Gunne – Dj, Produzent, Labelbetreiber, Veranstalter – Lebensfreude Rec – Erfurt

    via shape

  2. Kommentar zu Quereinsteiger (vs. 40-Jahre-Einheitssuppenarbeit)

    Eigentlich wollte ich ja nur einen Kommmentar zu Marcus’ Beitrag tippen aber ich glaube, dass es zu vielen Zeichen werden..

    Aber zum Text:

    Ich mach’s mir einfach und sage: Quereinsteiger sind immer Kreative. Wer sonst ist so bekloppt und wechselt in ein Berufsfeld, von dem er zugegebenermaßen keinen blassen Schimmer hat?

    also ich glaube ja, dass Quereinsteiger nicht unbedingt kreativ sein müssen. Auf einen in großen Teil trifft das sicher zu aber ich finde es etwas einfach, so reduziert auf die Berufsentwicklung zu schauen. Um es mal mit dem “sozialen Totschlagargument ” auszudrücken: oft ist es auch Verzweiflung, die Menschen dazu zwingt, in unbekannte zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnisse einzuwilligen. Und erst wenn sie eingewilligt haben und ihre Jobs dann rocken, werden sie aus meiner Sicht zu Quereinsteigern – erst das Etablieren und das Erfolgreich sein ist es, was es ausmacht.. Man ist noch lange kein Quereinsteiger, nur weil man eine Ausbildung zum/zur Maler/Malerin absolviert hat und sich dann denkt mal ein Praktikum in der Imbissbudenkultur zu versuchen. Außerdem gab es schon immer Quereinsteiger, heutzutage ist es nur etablierter sich nicht durch  40-Jahre-Einheitssuppenarbeit zu quälen..

    Auf die gesamte Wirtschaft umgemünzt bedeutet das: WIRTSCHAFT IST KEIN GESCHLOSSENES SYSTEM.

    [...]

    Anderer Output durch anderen Input. Quereinsteiger werden früher oder später die Wirtschaft dominieren.

    Das ist aber nichts Neues.. Wirtschaft ist ja nur ein Teil des gesellschaftlichen Lebens und so bilden sich auch je nach Kultur, Finanzkraft,.. unterschiedliche Wirtschaftsauswüchse. Ich kann es mir nicht Vorstellen, dass die Gruppe der Quereinsteiger so dominant wird und “früher oder später” den Großteil der arbeitstätigen Gruppe ausmacht. Dafür gibt es aus meiner Sicht viel zu viele negative Anhängsel fürs Quereinsteigen, wie z.B.:

    • mögliche Überforderung
    • meist geringeres Gehalt wegen fehlender Qualifizierungen
    • in der Regel zeitlich begrenztes Arbeitsverhältnis
    • stressige Einarbeitungszeit
    • ..

    Individualisierung passiert natürlich und vielleicht werden auch immer mehr Menschen zu Quereinsteigern oder “Job-Hoppern” – aber die Mehrheit? Dafür müsste doch eine Entwicklung dahingehend stattfinden, die Menschen zu autonom denkenden Individuen erzieht, es geht aber glaube ich eher in diese Richtung:

    Nichts mit “ich bin kreativ und mache was ich will”. Sondern: “Was gibt mir die meiste Sicherheit und den wenigsten Aufwand und wie genau lässt sich damit planen?” Dieses romantische Bild von den abermillionen Kreativen mit unbändigem Drang, sich irgendwo einzumischen, egal ob sie einen Plan von dem haben was sie da machen oder nicht, ist glaube ich eher das Bild eines minimalen Prozentsatzes der Gesamtbevölkerung und dabei wird es auch bleiben..

    Das zukünftige Generationen anders arbeiten werden und mehr Jobs/Berufe ausüben werden, sei natürlich mal dahin gestellt. Aber was wird daran sein, um sie als Quereinsteiger zu betiteln?

  3. Quereinsteiger

    Gastbeitrag

    (Headline:)

    Aus einem kranken Arsch kommt kein gesunder Furz.

    M. L. King

    (Copy:)

    Man kann ganz viel schlaue Sachen über die Arbeitswelt schreiben. Zum Beispiel, dass die zehn meistgesuchten Jobs in den USA 2010 im Jahr 2004 überhaupt noch nicht existierten. Man kann aber auch ehrlich sein und sagen: ich habe keine Ahnung wie sich die Arbeitswelt entwickeln wird.

    Und leider stimmt das auch. In solchen Situationen hält man sich am besten an Fakten. Fakt ist zum Beispiel, dass unser Obst und Gemüse hier in Deutschland in anderen Ländern wie Spanien oder Frankreich an die Schweine verfüttert wird.

    Wie sieht die linke Schamlippe von Paris Hilton aus? Keine Ahnung. Wen interessiert das auch? Eben, wen interessiert, dass die Franzosen und Spanier deutlich mehr Geld für Obst und Gemüse ausgeben (übrigens für alle Lebensmittel) als die Deutschen. Den meisten Menschen ist es schnurzpiepegal.

    Und da ist das Problem. In der eigenen Welt ist der eigene Horizont beschränkt. Das ist keine Theorie, das ist Physik. Wo nur kranke Menschen mit Brettern vorm Kopp sitzen kommt am Ende auch nichts Gesundes bei raus. Lösungen aber, findet man am besten durch Umdenken. Querdenken. Längsdenken, oder wie auch immer.

    Ohne Quereinsteiger fressen wir weiter Gammelfleisch und Schweineobst. Ich mach’s mir einfach und sage: Quereinsteiger sind immer Kreative. Wer sonst ist so bekloppt und wechselt in ein Berufsfeld, von dem er zugegebenermaßen keinen blassen Schimmer hat?

    Nun mischen sich im Unternehmen Fachidioten mit Quereinsteigern. Und was passiert? Wikipedia beantwortet diese Frage: „Bei mischtechnischen Vorgängen werden die Bestandteile von mindestens zwei getrennt vorliegenden Ausgangsstoffen durch Relativbewegung so umpositioniert, dass ein neues Anordnungsschema entsteht“.

    Auf die gesamte Wirtschaft umgemünzt bedeutet das: WIRTSCHAFT IST KEIN GESCHLOSSENES SYSTEM. Alles drumherum (Kultur, Bildung, Soziales) ist mit integriert. Das heißt nichts weniger, als: die neue Wirtschaft (wie auch immer sie aussieht) lebt von ihrer Mischung, sprich Vielfalt, sprich von neuen Anordnungsschemen.

    Anderer Output durch anderen Input. Quereinsteiger werden früher oder später die Wirtschaft dominieren. Gehen Sie jetzt bitte zum Kühlschrank und holen Sie eine Flasche Sekt. Wir müssen anstoßen ­ ich warte auch so lange hier.

    Sie alle wissen, was einen Quereinsteiger zum Quereinsteiger macht. Dafür ist das Thema schon viel zu stark besetzt. Das Schlimme ist, Sie alle wissen auch, was einen Quereinsteiger ausmacht. Jeder kann sich zum Quereinsteiger machen und heute schon mal üben, was ihn morgen erfolgreich macht.

    Wo das alles hinführt, kann keiner klar sagen. Oder vielleicht doch, aber dann würde er lügen. Wahr ist allerdings, dass irgendein schlauer US-Amerikaner herausgefunden hat, dass die Schüler von heute in Ihrem Leben bis zu 14 Jobs haben werden.

    (Alternatives Ende:)

    Ich bitte Sie jetzt aber, sich über dieses Thema keine Gedanken zu machen. Bleiben Sie einfach, wo Sie sind. Schön stil und keine Bewegung. So kann ich von Job zu Job hüpfen, immer erfolgreicher und irgendwann unermesslich reich werden. Schön.

    unser Gastautor: Marcus Naumann

    … kommt aus Halle. Lebt und arbeitet inzwischen in Hamburg. Er ist Texter in einer Werbeagentur. mehr

  4. bedingungsloses Grundeinkommen – Teil 1

    Im Januar bin ich auf einen Filmtrailer zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen gestoßen, den ich recht interessant fand und über den auch Carsten im letzten Jahr schon berichtet hat:

    Der Film (findet man ebenfalls bei Youtube) ist sehr zu empfehlen, es kommen interessante Menschen zu Wort, wie z.B. Götz Werner der Gründer der Drogeriekette dm und starker Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens.

    Der Film hat mich an eine Reportage vom ZDF erinnert, die über das Modellprojekt “BIG” (Basic Income Grant) in Otjivéro-Omitara, einem Dorf in Namibia, berichtete. Dort wurde seit Januar 2008 ein bedingungsloses Grundeinkommen ausgezahlt. Dieses Modellprojekt lief im Dezember 2009 aus.

    Die erste Auszahlung (Foto: Claudia Haarmann)

    Mit der Unterstützung der Kirchen, Anti-Aids-Initiativen, Stiftungen und anderen Entwicklungsorganisationen konnte BIG zwei Jahre lang jedem Einwohner monatlich 100 namibische Dollar (ca. acht Euro) auszahlen. Bei der Recherche zu Ergebnissen des Projekts bin ich auf ein Referat vom 16.5.2009 zum europäischen Symposium zum Grundeinkommen in Herzogenrath gestoßen. Darin zieht Dagmar Paternoga (Afrika-Expertin und Mitglied der Attac-Arbeitsgruppe „Genug für alle“) gut zusammengefasst bereits eine positive Zwischenbilanz:

    • Wöchentliche Mangelernährung bei Kindern fiel von 40 auf 2 %
    • Ernährungssicherheit stieg von 20 auf 60 %!
    • Seit Januar 2008 gab es keinen einzigen Fall mehr von Unterernährung: Der Beweis, , dass N$100 wirklich helfen, den Hunger zu beseitigen
    • Nach Zahlung des BIG verdoppelte sich die Zahl der Schulgängerinnen
    • Kriminalität: seit Einführung des BIG fiel die Kriminalitätsrate von 43 auf 28 %
    • Arbeitslosigkeit fiel von 60 auf 45 %
    • [...]

    Leider habe ich bis jetzt – auch nach weiteren zwei Monaten Recherche – noch keine ausführlichen Abschlussergebnisse zu dem Modellversuch gefunden. Damit dieser Beitrag nun nicht noch länger als Entwurfsleiche im Medienstadtkeller verstaub veröffentliche ich ihn erstmal und werde ihn in nächster Zeit aktualisieren und weitere Modellversuche zusammenfassen und vorstellen..

  5. Will man wirklich jeden Job

    Bewerbungen zu versenden ist nicht ohne. Man muss sich gekonnt, aber nicht übetrieben präsentieren, sich in Szene setzen, wie man unter Normalbedingungen vielleicht gar nicht auf treten würde und trotzdem authentisch bleiben.

    Nach dem Versenden heißt es dann abzuwarten, auf einen Anruf, eine Email oder einen Umschlag mit den zurückgesendeten Unterlagen.

    Hat sich der potentielle zukünfitge Arbeitgeber Mühe gegeben, bekommt man zu den eigenen Unterlagen manchmal auch noch ein förmliches Schreiben mit zurück, dass einen nochmal an den Job errinnert, den man nicht gekriegt hat.

    So auch in diesem Fall, wo ich vor einigen Tagen durch Zufall folgende Zeilen auf dem Schreibtisch einer Freundin las:

    Da kann man dann doch froh sein, dass es nicht geklappt hat, schließlich will man doch auch Freude an seiner Arbeit haben. Oder?!